Entwurf - Bachelor Thesis

Dombauhütte am Kaiserdom

Einführung.
Die Domhütte ist ein Projekt zur nutzbringenden Neugestaltung der Fläche des rückwändingen Domparkplatzes. Dort soll ein Komplex entstehen, der eine Vielzahl von Funktionen erfüllt: Mannigfaltige Ausstellungsflächen, eine anziehende Gastronomie, sowie Platz für Glas- und Steinmetzwerkstätten der unmittelbar mit dem Dombau verbandelten Handwerkskünste.
Der Dom ist ein starker Nachbar. Architektonisch besteht die Kunst darin zwei Objekte respektvoll, brüderlich eine gelungene Verbindung eingehen zu lassen. Das Objekt darf nicht zu präsent sein und selbst einen Konkurrenten darstellen, es muß sich jedoch behaupten. Das geforderte
Raumprogramm des Konzeptes übersteigt den verfügbaren Platz, daher nutzt die Lösung gleichermaßen vorhandene oberirdische sowie unterirdische Kapazitäten. Dabei liefert der vorhandene Kontext weitere Parameter, die von dieser Lösung adressiert werden: Zum einen die vorhandene Häuserstruktur, zum anderen die hohe Dichte gastronomischer Angebote vor Ort. Das geplante Objekt soll mit klarer Formensprache und klassischen Elementen auf die strukturellen Anforderungen antworten, während gewollt großzügig einsehbare Werkstätten und Ausstellungsflächen den Besuchern einen Grund liefern sich eben hier einzufinden. Durch große Fenster und Türen wird der Einblick provoziert, der Besucher eingebunden und hineingerufen. Die Werkstätten bilden dabei ein zusätzliches, vitales Element der gesamten Konzeption durch provokante Offenlegung und Nahbarmachung der handwerklichen Seite des Doms und seiner
Instandhaltung. Damit ist auch der Bezug zum eingebetteten Shopkonzept hergestellt, da die Produkte von Steinmetzen direkt vor Ort erworben werden können, das die Nachhaltigkeit des Shops ersichtlich macht.

Aufbau.
Ein ruppiger, harscher Monolith aus Beton, mit hohen, außenbindigen Fenstern imitiert klassische Formen seiner unmittelbaren Umgebung. Seine raue, äußere Struktur des vertikal scharierten Ortbetons stellt den Komplex heraus und lässt ihn wirken. Durch die Betonung auf vertikale Linien und die ausgeprägt verspringende, spitze Giebelform geht der Bau dominant, doch spielerisch eine
Verbindung mit den benachbarten Häuserdächern ein. Die lineare, parallel zur gegebenen Grundstruktur angelegte Raumverteilung des Gebäudes sorgt zusätzlich für eine harmonische Zusammenkunft des Neuen mit dem Alten. Auf der domabgewandten Seite des Objekts führt ein separater Eingang Angestellte sowie private Gruppen in den Komplex. Davor, unsichtbar für die öffentlichen Blicke, steht ein vielseitig verwendbarer Pausenhof zur Verfügung, der durch den einzigartigen Anblick der Domfassade exklusiv wird. Der Baukörper lädt mit großen, lichtdurchlässigen Glaselementen von außen trotz seiner strikten Beschaffenheit den Besucher zum
Hineinschauen und freiheitlichem Erkunden ein. Die mittige Gebäudeaussparung erzielt mit Einem eine Vielzahl wünschenswerter Effekte: Positioniert an vorhandenen Wegen, lässt sie diese weiterhin durchlässig, doch erneuert sie durch einen neugeschaffenen Platz, der Ausstellungen und Veranstaltungen aus dem Inneren nach draußen verlängert/holt. Die Offenheit des aufgeschnittenen Monolithen schafft so eine Hofsituation, die den Eingangsbereich eindeutig kennzeichnet und durch das gastronomische Angebot mit Leben füllt. Beide Hälften der aufgeschobenen Bauhütte sind vom Boden aus bis zur Dachspitze verglast, das interessante Geschehen im Inneren offenbarend, insbesondere der unterirdisch gelegenen Bereiche der Werkstätten und Austellungsräume.Elfenbeinweiß und sanft mutet das Innere des Gebäudes an und stellt sich freundlich zum harschen Äußeren in Opposition. Hohe, helle Räume, die durch bewegliche Glaselemente die Fläche strukturieren, bieten dem Besucher auf Anhieb einen Gesamteindruck von der Größe und Funktionalität des Komplexes. Auf spannende Weise sind Gastronomie und Werkstattbereiche sowie Ausstellungsflächen stets getrennt miteinander verbunden. Somit ist das Innenleben organisch inszeniert und bietet sich dem Betrachter zur Entdeckung dar.

Dimensionen und Charakter.
Das großdimensionierte Foyer bildet eine feierliche Eingangshalle, in dem sich Gastronomie und Bibliothek zweistöckig Sitzmöglichkeiten aufteilen. Im unteren Bereich sowie auf dem Platz vor dem Eingang werden dem Besucher authentische Einblicke in das Leben der Werkstätten geboten, während der obere Bereich des Foyers für Besucher der Bibliothek vom lebendigen Geschehen abgesetzt ist und zu Rückzug und Entspannung einlädt. Durch eine Theke begrenzt verziert eine, den Foyerboden öffnende Mobiléinstallation den Eingangsbereich und gewährt den Blick in den darunter befindlichen Ausstellungssektor. Über eine Treppe gelangt man nach unten und findet sich in einer künstlerischen Adaption von Untergrundkatakomben wieder. Entlang eines nicht-linearen, versteckt-verwinkelten Gängesystems kann jeder Besucher eine eigene Erfahrung des zu besichtigenden Angebots machen. Kein Weg ist der gleiche, man geht eigene Routen, spürt Verborgenes eigenständig auf bis man sich am Ende wieder trifft, wo der Weg eine starke Verjüngung aufweist, durch die maximal zwei Personen gleichzeitig schlüpfen können. Durch diese Enge hinauszugehen hat einen spannenden Moment: die Umgebung konzentriert sich vollständig auf das Individuum und belohnt durch das Eintreten in den großzügigen Shop und den
Werkstattbereich, in dem sich die zuvor vertstreuten Besucher wieder an einem Punkte versammeln. Die durch große Glaselemente offengelegten Werkstätten beteiligen die Zuschauer natürlich an der Arbeit der Glaskünstler und Steinmetze, deren Erzeugnisse im angrenzenden Shop erworben werden können. Somit erhält der Besucher durch den Kauf eines Originals Gelegenheit einen essentiellen Beitrag zur Erhaltung des gesamten Domprojekts zu leisten.

1 Preis Förderpreis 2012 des hessischen Baugewerbes