Entwurf - Master Thesis

Daheim – Gemeinschaftliches Bauen und Wohnen in Bingenheim

Das Wohnprojekt soll ein Wohn- und Lebensraum für bis zu 100 Menschen aller Altersgruppen und Lebenslagen bieten. Die Entwicklung eines sozialen Netzwerkes soll entstehen. Vielfältige Begegnungsmöglichkeiten können den Alltag bereichern und schaffen Verbindungen zwischen den Generationen. Alle Menschen, ob Familien, Alleinerziehende oder Paare, alte Menschen, Migranten, Menschen mit Behinderungen, sowie Auszubildende, Studenten und Singles, sollen am Wohnprojekt teilhaben. Diese Durchmischung der Bewohner können diejenigen, die Hilfebedarf haben, mit denjenigen, die Unterstützung leisten wollen, zusammenkommen. So werden beispielsweise alte Menschen unterstützt, indem Einkäufe für sie erledigt werden, jemand ein Essen kocht oder ihnen etwas aus der Zeitung vorliest. Kleinere Kinder lernen von den Großen. Jugendliche und Kinder treten in Kontakt mit den alten Menschen und finden beispielsweise einen Oma- bzw. Enkelersatz. Eine gegenseitige Kinderbetreuung kann die Alltagsorganisation in den Familien entlasten.

In der Gemeinde Bingenheim soll auf 3,2 ha Wohnraum für Menschen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher sozialer und kultureller Herkunft entstehen. Die Initiativgruppe des Wohnprojektes besteht aktuell aus füf Familien mit insgesamt acht Erwachsenen und acht Kindern im Alter von 1 bis 58 Jahren. Diese Kerngruppe hat sich zusammengetan, um das Wohnprojekt „Gemeinschaftlich Bauen und Wohnen in Bingenheim“ ins Leben zu rufen. Nicht nur um den Alltag der Bewohner, sondern um die gesamte Gemeinde Bingenheim mit einem zeitgemäßen Wohnprojekt zu bereichern, werden neue Wege betreten. Das Wohnprojekt soll zukünftig Wohnraum für rund 100 Personen schaffen. Geplant sind Mehrparteienhäuser sowie Gebäude zur gemeinschaftlichen Nutzung, um die soziale Bindung und das Zusammenleben zwischen den Bewohnern zu stärken und deren Alltag zu verbessern.

Das neue Wohnquartier soll sich zudem durch Nachhaltigkeit und Energieeffizienz auszeichnen, angestrebt wird eine ökologische und sozialverträgliche Bauweise. Außer den notwendigen Zufahrten, soll der Innenraum des Quartiers weitestgehend autofrei sein, was eine naturnahe Gestaltung der Freiflächen mit unterschiedlichen Nutzungsbereichen ermöglicht.

Diese Bearbeitung der Masterthesis zeigt ein ganzheitliches Konzept unter Berücksichtigung der Bedürfnisse und Anforderungen der Wohngruppe.

Kontext
Als Grundlage für den Entwurf dient das 3,2 ha große Grundstück, im Osten der Gemeinde. Das Grundstück ist nördlich durch die Zufahrtsstraße am Welschbach begrenzt, ansonsten von landwirtschaftlich genutzten Flächen umgeben.
Bingenheim ist geprägt durch einen dicht bebauten Ortskern mit ehemaligen landwirtschaftlichen Hofbebauungen und der historischen Schlossanlage.
Das Planungsgebiet weist Wegeverbindungen in die umliegenden Felder und Obstwiesen auf. Die fußläufige Verbindung zum Ortskern gewährleistet die Nahversorgung. Von Osten nach Westen gibt es auf dem zu beplanenden Gebiet einen Höhenversprung von 10 Metern. Der Welschbach, der im nördlichen Teil des Grundstücks verläuft, bildet einen räumlichen Abschluss des Gebietes.
Ziel ist es, die vorhanden Wegeverbindung beizubehalten und eine ‚Gemeinschaftliche Mitte’ für das Quartier zu schaffen, über die das Grundstück erschlossen wird. Der Welschbach mit seinem Begleitgrün soll aufgewertet und erweitert werden. Die Erweiterung des Wasserlaufes geschieht über die Bildung eines Teiches, welcher unmittelbar an die ‚Gemeinschaftliche Mitte’ angrenzt. Die Mitte erhält durch die Aufwertung des Wassers einen Mehrwert und bildet einen Begegnungsort für die Bewohner.

Erschließung und Parken

Die notwendige Zufahrt erfolgt im Westen des Planungsgebietes, um einen geringen Ausbau der Erschließungsstraße zu ermöglichen und das Parken abseits der Wohnbebauungen anzuordnen. So kann der Innenraum des Quartiers weitestgehend autofrei gehalten werden. Die ‚Gemeinschaftliche Mitte’ bildet die zentrale Adresse. Die dort beginnende Hauptachse ist das zentrale Rückgrat des neuen Quartiers. Die Parkfläche mit Besucherparkplätzen und einer Car-Sharing Station steht im direkten Bezug zur Quartiersmitte.

Eine Anlieferung zur Wohnbebauung ist möglich, das Parken jedoch nur auf den dafür vorgesehenen Flächen erlaubt. Die Erschließung zu der Wohnbebauung erfolgt über die gemeinschaftliche Hauptachse in der Mitte.

Konzept und städtebauliche Struktur
Die landwirtschaftlichen Hofbebauungen in dem dicht bebauten Ortskern von Bingenheim werden aufgegriffen, um auch hier im Quartier Hofsituationen entstehen zu lassen. Es entstehen Höfe, die die Gemeinschaft und den sozialen Austausch fördern. Durch die Anordnung der Gebäude entstehen unterschiedliche Hofsituationen und Hofgrößen, die auf die Bedürfnisse der jeweiligen Bewohner reagieren. Es entstehen kleinere Teilgemeinschaften oder auch Nachbarschaften.
Die Höfe orientieren sich zur gemeinschaftlichen Hauptachse. Zudem wird in jedem Hof eine zusätzlich gemeinschaftliche Nutzung angeboten, um die Bewohner in alle Höfe einzubinden. Somit erhält jeder Hof einen ganz eigenen Schwerpunkt. Ein Gemeinschaftshof stärkt die ‚Gemeinschaftliche Mitte’ und trägt zu der sozialen Identität und Authentizität der neuen Adresse bei. In dem zentralen Gemeinschaftshof sind ein Cafe, eine Gemeinschaftsküche, eine Werkstatt und ein Seminarraum für alle Bewohner zugänglich.

Gemeinschaft und Privatheit

Die Höfe bilden einen gemeinschaftlichen Innenhof, über den die jeweiligen Wohneinheiten erschlossen werden. Die umschlossenen Flächen dienen als privaten Rückzugsort im Außenbereich.

Freiraum und Grünstruktur
Die gemeinschaftliche Achse bündelt nicht nur die Bewegungsströme, sondern auch Programme, Adressen und Freiflächen. Zum Westen hin öffnet sich die Achse zu einem gemeinschaftlichen Anger, der Bezug auf die große Wasserfläche nimmt. Durch die Bewegungszonen entstehen immer wieder kleinere Platzsituationen und Grünräume, die mit minimalen Aufwand gestaltet sind: Spontanvegetation, Wiese, Blumen und Trampelpfade. Entlang des Wasserlaufes entstehen kleine Feuchtgebiete und Grünräume, die einen räumlichen Abschluss des Quartiers bilden. Rand und zentrale Achse vernetzen sich mit den bestehenden Grünräumen in alle Richtungen und bilden ein grünes Rückrat und den freiräumlichen Kontext für die neu entstehenden Höfe.
Die Verwendung von offenporigen Belägen ermöglicht im gesamten Gebiet die lokale Versickerung von Oberflächenwasser. Entlang des Baches entstehen kleine Feuchtbiotope, die gestalterisch und ökologisch wertvolle Elemente bilden.

Nutzungseinheiten und Gemeinschaft

Die unterschiedlichen Höfe fördern die Gemeinschaft und den sozialen Austausch unter den
Bewohnern. Umschlossene Flächen können als nachbarschaftliche Orte mit unterschiedlichen Aktivitäten bespielt werden: Es gibt Räume für Begegnung, Kunst(handwerk), Hobby auf offenporigem Grund, die flexibel für Sport und Spiel funktionieren können. In den Höfen befinden sich Nutzungseinheiten von 4 bis 10 Wohnungen.

Bau- und Nutzungsstruktur

Eine breite Vielfalt an Typologien bietet die Möglichkeit einer gesellschaftlichen Durchmischung. Wohnraum für Menschen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher sozialer und kultureller Herkunft entsteht: Barrierefreies Wohnen, familiengerechtes Wohnen, Zwei-Personen-Haushalte, Single-Wohnungen, Wohnen im Alter, Wohngemeinschaften sowie die Möglichkeit für Wohnen und Arbeiten. Aufgrund der flexiblen Grundstruktur können sich auch zukünftig die Räume wandelnden Lebensumständen anpassen. Die Teilung von einer Wohneinheit in beispielsweise zwei kleinere Wohneinheiten ist möglich. Somit kann auf veränderte Familiensituationen oder sogar neue Konstellationen reagiert werden.

Bauweise
Um die Identität des Gesamtprojektes zu stärken ist eine homogene Bauweise vorgesehen. Um eine Gesamtidentität zu erreichen soll die Heterogenität der Einzelerwartungen in einen Gesamtausdruck in der Bauweise überführt werden, der die Identität mit dem Gemeinschaftsprojekt fördert. Die Gebäude sind als Holzständerbauweise mit Strohdämmung konzipiert. Das einheitliche hölzerne Fassadenkleid umfasst alle Gebäude, um die Gesamtidentität zu stärken.

Dachüberstände bieten einen natürlichen Sonnenschutz bei sommerlich hochstehender Sonne und schaffen einen geschützten Außenbereich. Die umlaufenden Laubengänge und Terrassen stärken die Kommunikation der Bewohner untereinander. Zusätzlich ermöglichen die Laubengänge die Teilung von Wohneinheiten. Die Eingangsbereiche der einzelnen Wohneinheiten bieten Möglichkeit zur individuellen Gestaltung und erweitern den Wohnraum. Neben den Gebäuden mit Laubengangerschließung gibt es den Tennenhaustyp. Die Tenne bildet einen gemeinschaftlichen und geschützten Eingangsbereich. Im Bereich über der Tenne gibt es flexibel zu nutzende Räume im ersten Obergeschoss, die die Wohneinheiten verbinden. Diese können den jeweiligen Wohneinheiten zugeschlagen oder gemeinschaftlich genutzt werden.

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