Entwurf - Xella Studentenwettbewerb
KOSMOPOLIS. ZENTRUM FÜR MIGRATION STUTTGART

Stuttgart ist neben Frankfurt am Main die Stadt mit dem höchsten Migrantenanteil an der Gesamtbevölkerung unter den deutschen Großstädten. Etwa 40 Prozent aller Einwohner haben einen Zuwanderungshintergrund.

Mit dem „Bündnis für Integration“ wurde im Jahr 2001 ein vielfach ausgezeichnetes Konzept zur kommunalen Integrationspolitik entwickelt. Neben Politik, Verwaltung, den öffentlichen Trägern und der Wirtschaft ist vor allem die Bürgerschaft in Form zahlreicher Vereine und Bürgerinitiativen an dem Projekt beteiligt.

Mit Kosmopolis, dem Zentrum für Migration, soll eine Anlaufstelle geschaffen werden, an der die Angebote zur Förderung der Integration koordiniert und umgesetzt werden können. Es entsteht ein Ort des kulturellen Austausches für Neuankommende und Menschen, die seit Langem in Stuttgart leben. Der räumliche Zusammenschluss in zentraler Lage verdeutlicht den Wert der kulturellen Vielfalt für die Stadtentwicklung und gibt dem Stuttgarter Integrationsmodell ein sichtbares Zeichen im Stadtraum.

Quelle: www.xella.com

Städtebauliches Konzept: Verbindungen schaffen
Transparenz, Offenheit und Verbindungen sind Grundpfeiler des Gedankens der Kommunikation und des interkulturellen Austausches. Der vorliegende Wettbewerbsbeitrag orientiert sich an den vorgenannten Werten, um architektonisch und städtebaulich einen Ort des menschlichen Austauschs und der Kommunikation zu erschaffen.

Gelegen an einer vielbefahrenen Kreuzung der Stuttgarter Innenstadt, erschließt der Bau drei unterschiedliche Niveaus von der Konrad-Adenauer-Straße über einen offenen Hof hin zur Urbanstraße. Der Entwurf orientiert sich an der unteren sowie der oberen Seite an den unmittelbar anliegenden Gebäuden. Diese Einbettung ins restliche Straßenbild erfolgt somit sanft und harmonisch. Die eintretende Erschließung der unterschied- lichen Straßenniveaus steht sinnbildlich fu?r die Grundidee der Zugänglichkeit des Gesamtentwurfs. Aus Sicht der höherliegenden Bereiche findet eine Verjüngung des Gebäudes in Richtung Stadtzentrum statt und schafft so eine stadteinwärts gerichtete Öffnung entlang der natürlichen Blickachse.

Schutz und Geborgenheit: Freiräume
Das Gebäudes wird über eine großzügige Freitreppe, welche durch sitzstufen und Podeste zum verweilen einlädt erschlossen. Die unterschiedlichen ebenen bieten immer wieder neue blick Bezüge in das begleitende Gebäude. Die ausgeprägte Form des Baukörpers sowie dessen Einbettung in die bestehende Straßensituation erzeugen Schutz und Stille, wodurch eine Hofsituation entsteht, fernab vom innerstädtischen Straßenverkehr. Was einerseits unumstößliches Bollwerk gegen die Lautstärke der angrenzenden Stadt ist, erzeugt anderseits Offenheit und Transparenz, sowohl in architektonischer als auch menschlicher Weise. Der entstandene Hof bietet Kindern, Jugendlichen und Familien einen geschützten Ort fu?r eine Vielzahl von Freizeitaktivitäten wie Spielplatzbesuche, sportliche Betätigung im Freien sowie Wochenmärkte oder Cafe´s. Mit unterschiedlichen Ebenen, Untergründen und Mobiliar bietet der Hof einen Ort der Selbstgestaltung, der Zusammenkunft und des Verweilens.

Transparenz und Offenheit: Mechanismen interpersoneller Begegnung
Durch die hofseitig vollständig verglaste Fassade öffnet sich das Bauwerk und gibt sein Innenleben den Betrachtern preis. Grenzen zwischen den Innen- und Außenbereichen des Gebäudes schwinden, ermöglichen gegenseitigen Sichtkontakt und vermitteln Offenheit. Während der Abendstunden spendet der Innenraum seinen Betrachtern Licht und präsentiert seine vielfältigen inneren Aktivitäten in barrierefreier Manier.

Funktionen und Raumstrukturen
Das Gebäude wird durch einen überdachten Eingangsbereich über den Hof erschlossen. Die vollständige Verglasung der Nordfassade schafft einen, lichtdurchfluteten offene, sich über mehrere Stockwerke erstrecken- de Innenraum der zahlreiche helle Versammlungsorte für die interpersonelle Begegnung im offenen Raum zulässt. Die fünf Obergeschosse werden durch ein breites Treppenelement, das sämtliche Stockwerke miteinander verbindet erschlossen.
Vielfältige Workshop- und Ausstellungsräume, zwei Theatersäle sowie eine offene Küche, Religionsräume und einer Bibliothek im obersten Stockwerk runden das innere Nutzungsangebot ab. In dem ersten Untergeschoss befinden sich die Werk- und Atelierräume. Das zweite Untergeschoss beherbergt die Technik- und Lager- räume. Die barrierefreie Erschließung, die Notanlaufstelle sowie die Anlieferung und der Mitarbeiterzugang befinden sich ebenfalls auf Höhe der Konrad-Adenauer-Straße.

Fassade und Materialität
Auf den ersten Blick wirkt die Straßenfassade geschlossen und schroff. Nach dem Vorbild des San-Telmo-Museums in San Sebastian, von dem Architekten Nieto Sobejano, werden perforierte Aluminiumplatten, um eine wirksame südseitige Abschirmung, insbesondere der Büroetage gegenüber der direkten Sonneneinstrahlung zu gewährleisten. Gleichzeitig erschafft die Perforation der eingesetzten Platten eine individuelle Grünfläche zur vertikalen Bepflanzung durch ihre jeweiligen Nutzer. Die Bepflanzung wirkt als natürlicher Filter für auf- tretenden Feinstaub und sonstige Emissionen, was die Luftqualität des Innenraums deutlich begünstigt. Die geplante Doppelfassade sorgt für die vereinfachte Erschließung der Büros, dabei die Integrität ihrer Innenleben bewahrend.

Annerkennung Xella Studentenwettbewerb 2014/15